SILVIA IRINA ZIMMERMANN
CARMEN SYLVA
Links:

www.carmen-sylva.de

www.carmensylva-fwa.de

Werke Carmen Sylvas:
Originalausgaben 1880-1916

Neuere Carmen-Sylva-Bibliografie
(Download: PDF
356 KB)

Carmen Sylva - die dichtende Königin

 

Elisabeth, die erste Königin von Rumänien und deutsche Prinzessin aus dem Fürstenhaus Wied, lebte von 1843 bis 1916. Durch die Eheschließung mit Fürst Karl von Hohenzollern-Sigmaringen - einem deutschen Prinzen auf rumänischem Thron - wurde sie 1869 Fürstin und später 1881 Königin von Rumänien. 1880 begann Elisabeth unter dem Dichternamen "Carmen Sylva" eigene literarische Werke in Deutschland zu veröffentlichen. Sie schrieb in deutscher Sprache und veröffentlichte in deutschen Verlagen. 1882 bekannte sie sich zu ihrer schriftstellerischen Tätigkeit in der Öffentlichkeit. Fortan forderte sie als "dichtende Königin" in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit. Sie bemühte sich um literarische Legitimierung im Ausland, vornehmlich ihrem Heimatland, Deutschland. Ab 1882 ließ sie ihre Werke in rumänischer Übersetzung in Rumänien veröffentlichen, in Buchverlagen sowie in zahlreichen Zeitungen mit hoher Auflage.

1880: Beginn der schriftstellerischen Tätigkeit unter dem Pseudonym Carmen Sylva:
"Sappho", (Versepos), Leipzig: F. A. Brockhaus.
"Hammerstein", (Versepos), Leipzig: F. A. Brockhaus.

Motto zum Versepos "Hammerstein":
"Ich singe, wie der Vogel singt,
Der in den Zweigen wohnet."

Carmen Sylva

Beide Dichtungen wurden 1881 zusammen in dem Band "Stürme" veröffentlicht, den die Autorin den Frauen widmete::

"Wo Lorbeer nicht blühet, nicht hallt der Ruhm,
Nur heimliche Tränen tauen,
Dem ungesehenen Heldentum –
Ich weihe dies Büchlein den Frauen.."
Carmen Sylva

Aus den Briefen Königin Elisabeths von Rumänien (Carmen Sylva) zu ihrem literarischen Debüt und der schriftstellerischen Tätigkeit:

"Mit 45 Jahren habe ich doch wirklich das Recht, endlich meinem heiligsten Berufe zu folgen, da ich förmlich hineingestossen werde, und der Himmel selber mir den Weg zeigt."

"Apropos, ist Grillparzers Sappho schön? ich war so wütend über die Idee, dass ein herrliches Weib sich für einen elenden Wicht wie Phaon umbringt, dass ich mich nie entschloss, es zu lesen."

"In einem Artikel stand, ich würde nie ein großer Dichter werden, weil ich die Menschenherzen nicht studieren könne!! und weil es mir stets an Leidenschaft fehlen würde! Und in Deutschland werde ich wegen grundtiefer Analyse und zuviel Leidenschaft gesteinigt!– So geht’s! Wenn man auf irgendwen hörte, wäre man schlimm dran!"

 

Offensichtlich ist, dass die Königin durch die dichterische Tätigkeit ihre Zugehörigkeit zur deutschen Kultur zu akzentuieren suchte und dass sie sich durch die literarische Anerkennung im Ausland ein hohes Ansehen als "dichtende Königin" versprach. Dennoch war Carmen Sylva zu ihren Lebzeiten eine umstrittene Persönlichkeit - in Rumänien wie in Deutschland - und die Beurteilung der dichtenden Königin blieb bis heute kontrovers. Das literarische Werk Carmen Sylvas geriet bald nach ihrem Tod 1916 aus dem Blickfeld von Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte. Während es bislang nur wenige literaturwissenschaftliche Aufsätze und umfangreichere Forschungsarbeiten zu Carmen Sylvas Werk gibt, sind bis heute zahlreiche Publikationen zu Carmen Sylva insbesondere aus biographischer und kulturgeschichtlicher Perspektive und meist in Bezug auf den südosteuropäischen Raum erschienen.

Die schriftstellerische Tätigkeit Carmen Sylvas ist stark von ihrer Biographie geprägt und ihr Stil könnte entsprechend als "Individualstil" betrachtet werden. Carmen Sylvas Werk zeichnet sich durch stoffliche Vielfalt und persönliche Darbietung aus und nicht durch innovative Kunstfertigkeit. Ihre Dichtung ist Ausdruck "einfacher Natur" und des Empfindens, naive Dichtung und keine Wortkunst. Sie ist autobiographische und politische Tendenz und keine an Theorien oder ästhetischen Überlegungen orientierte Literaturpraxis.

Bezeichnend für Carmen Sylvas Werk ist vor allem die Dichterin selbst: ihre Ausnahmerolle als Königin, die durch selbständige schriftstellerische Tätigkeit in eigener Sache, von der Repräsentation bis zur Selbstmythisierung, an die Öffentlichkeit herantritt.

Betrachtet man Carmen Sylvas literarisches Werk nicht ausschließlich aus der Perspektive der künstlerischen Innovation und stilistischen Individualität, sondern unter dem Aspekt der Öffentlichkeitsarbeit durch Literatur, so offenbart das Phänomen einer dichtenden Königin in eigener und prodynastischer Sache in unserer Zeit Modernität. "Tue Gutes und rede darüber" lautet ein bekannter Spruch der PR-Branche. Änliches findet der Leser in vielen Texten Carmen Sylvas. Repräsentationspflicht, Wohltätigkeit, Biographisches fließen hier ineinander. Carmen Sylvas Werk ist Teil ihres "Berufes" und somit vorwiegend literarische Öffentlichkeitsarbeit. Durch ihre nur scheinbar selbständige, überaus produktive und drei Jahrzehnte andauernde schriftstellerische Tätigkeit mittels derer sie regelmäßig ihre Weltanschauung zu vermitteln sowie ihre Werbung für das rumänische Königreich und die Dynastie in Rumänien zu propagieren versuchte, hat Carmen Sylva ein neues, modernes Verständnis des "Berufes" als Monarchengattin in der Öffentlichkeit beispielhaft vorgelebt - ein Beispiel den ihre Nachfolgerin, Königin Maria, vervollkommnen wird.

Als engagierte und erfolgreiche Kulturvermittlerin in Europa fand Königin Elisabeth von Rumänien bereits zu Lebzeiten Anerkennung. Selbst die sonst sehr kritische Biographin und frühere Gemeinschaftsautorin der Königin, Mite Kremnitz, würdigt die gelungene Öffentlichkeitsarbeit der Königin:

"Wenn die rumänische Königskrone den Dichtungen Carmen Sylvas auch unzweifelhaft Glanz verliehen hat, so gab die Königin ihrerseits dem Namen Rumäniens Schwingen der Phantasie, mit denen er weiter über den Erdball geflogen ist, als er es ohne sie gekonnt hätte. Das positive Schaffen des Königs hat Rumäniens Ruhm weniger verbreitet als der Dichtername seiner ersten Königin." (1903)

Erwähnens- und lesenswert (auch aus literarhistorischer Sicht) sind Carmen Sylvas "Pelesch-Märchen" (1883), die in rumänischen Neuauflagen weiterhin erscheinen und in denen eine gelungene literarische Symbiose deutscher und rumänischer Motive der Volks- und Kunstmärchen offenbar wird.

Dr. Silvia Irina Zimmermann

 

Veröffentlichte Werke Carmen Sylvas

Neuausgaben Carmen Sylvas

Silvia Irina Zimmermann:
Die dichtende Königin
Stuttgart: ibidem-Verlag, 2010.
Details ...

Silvia Irina Zimmermann:
Das Königsbild im Werk Carmen Sylvas
Stuttgart: ibidem-Verlag, 2014.
Details ...

Ansichten, Betrachtungen, Aphorismen:
(Zitate aus dem literarischen Werk und aus Briefen)

"Das Glück ist stets dasselbe ..."

"What one calls being in love ..."

Die Frauenfrage

"Our great poet Alecsandri ..."

An das junge Musikgenie George Enescu

"Viele kritisieren ..."

"În der Politik opfert man alles..."

"Die Mutter ist wie der liebe Gott ..."

Frauen und Männer

"Anstelle von Wolhtätigkeitsvereinen ..."

"Welch merkwürdiges Jahrhundert ..."

Meine Pflicht als Königin

Herz und Verstand

© Silvia Irina Zimmermann