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Silvia Irina Zimmermann: Zur Entstehung der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs

Silvia Irina Zimmermann: „Carmen Sylva als Forschungsthema. Zur Entstehung der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs“, Beitrag in: Deutsch-Rumänische Hefte (Halbjahresschrift der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft, Berlin), Jg. XXIII, Heft 1, Sommer 2020, S. 10-12.

Carmen Sylva als Forschungsthema. Zur Entstehung der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs

von Silvia Irina Zimmermann

Die Öffnung der historischen Archive in Rumänien nach dem Sturz der kommunistischen Regierung im Winter 1989 stellt für die Geschichtsforschung ein wichtiges Moment dar. Das in den rumänischen Archiven aufbewahrte Material über das aus deutschen Fürstenhäusern stammende erste Königspaar von Rumänien, Carol I. und Elisabeth, ist für die Forschung über die Geschichte der Monarchie in Rumänien, die historischen Persönlichkeiten sowie über das gesamte gesellschaftliche Umfeld des Königshofes in Bukarest und Sinaia von größter Relevanz. Auch für die Geschichte der Deutschen im südosteuropäischen Raum und im Hinblick auf den Einfluss des ersten Königspaares von Rumänien auf die rumänische Gesellschaft und die deutsch-rumänischen Beziehungen zu ihrer Zeit stellen die rumänischen Archive eine wertvolle Quelle dar. Denn, obwohl schon zu Lebzeiten Carols I. und Elisabeths von Rumänien Aufzeichnungen und Briefe des Königspaares veröffentlicht wurden, gibt es bis heute nur wenige historisch-kritische Editionen, in denen die Originaldokumente textgetreu und vollständig wiedergegeben, nach wissenschaftlichen Kriterien ediert und kommentiert sind und somit als Arbeitsmittel für Wissenschaftler zur Verfügung stehen. Des Weiteren sind die früheren deutschsprachigen Ausgaben z.B. der Aufzeichnungen von König Carol 1. in rumänischer Übersetzung in einer deutlich kleineren Auswahlausgabe in Rumänien erschienen. Auch die ersten neueren Biografien zu Carmen Sylva nach 1990 griffen alte Biografien auf, anstatt Erkenntnisse aus neu erschlossenen Archivquellen darzubieten.

 

Seit 2010 sind im wissenschaftlichen Verlag Ibidem in Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Fürstlich  Wiedischen Archiv in Neuwied mehrere neue Bücher über die Königin und Schriftstellerin Carmen Sylva erschienen: zwei Forschungsarbeiten von Silvia Irina Zimmermann über das literarische Werk der Monarchin und die deutsche Übersetzung einer neueren rumänischen Biografie Carmen Sylvas von Gabriel Badea-Păun. Darüber hinaus veröffentlicht wurden mehrere Studien- und Leseausgaben aus dem literarischem Werk, wie die gesammelten deutschen und französischen Aphorismen und Epigramme „Les pensees d‘une reine“ und die gesammelten Märchen („Aus Carmen Sylvas Königreich“, Band 1: „Rumänische Märchen“, Band 2: „Märchen einer Königin“) sowie vier Leseausgaben mit ausgewählten Texten, nämlich „Gedanken einer Königin“ (ausgewählte Aphorismen), „Pelesch-Märchen“ und „Prinz Waldvogel“ (ausgewählte Märchen) und „Seelengespräche“ (Andachten). Die genannten Forschungsarbeiten und Neueditionen aus dem literarischen Werk zeigen, dass das Thema Carmen Sylva sehr umfangreich und vielschichtig ist und noch viele neue Erkenntnisse und Neuinterpretationen aus heutiger Sicht bieten kann.

 

Angesichts dieser Tatsachen reifte der Gedanke heran, die Erkenntnisse der neueren Forschung zum Leben und Werk Carmen Sylvas im europäischen Kontext zu bündeln und die Forschungsstelle im Fürstlich Wiedischen Archiv zu gründen, mit dem Ziel, neuere Studien, Sammelbände und Neuausgaben zum Leben und Werk der Königin und Schriftstellerin zu erarbeiten sowie neuere Editionen von Briefen, Tagebüchern und Aufzeichnungen des ersten Königspaares von Rumänien in deutsch-rumänischer Kooperation zu realisieren. Bestärkt wurde diese Überlegung auch dadurch, dass die Monarchie- und Adelsgeschichte des 19. Und 20. Jahrhunderts in der neueren historischen Forschung sowie in Buchpublikationen und Dokumentarfilmen in den letzten Jahren verstärkt wahrzunehmen ist – in Rumänien angesichts des seit 1990 erhöhten Interesses an einer Erarbeitung der Geschichte der rumänischen Monarchie, die bis 1990 in Rumänien ein verbotenes Thema war, und in Deutschland aufgrund der neueren interdisziplinären, sozial und kulturgeschichtlichen Forschung zur Adelsgeschichte im europäischen und transnationalen Kontext, zu den Änderungen und Anpassungen tradierter adeliger Lebensformen und des exklusiv-elitären Verständnisses als Antwort auf die Herausforderungen der Moderne bis hin zu den neuen Konzepten von Adel und Aristokratismus von 1890 bis 1945.

 

Die Forschungsstelle Carmen Sylva im Fürstlich Wiedischen Archiv wurde am 4. August 2012 von S.D. Carl Fürst zu Wied (Fürstenhaus Wied), Dr. Hans-Jürgen Krüger (Leiter des Fürstlich Wiedischen Archivs) und Dr. Silvia Irina Zimmermann (Initiatorin und Leiterin der Forschungsstelle) gegründet. Die Veröffentlichung der Website der Forschungsstelle (www.carmensylva-fwa.de) erfolgte Mitte August 2012 mit dem ausdrücklichen Ziel, die interdisziplinäre wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Leben, dem schriftstellerischen Werk und der Wirkung Carmen Sylvas im interkulturellen Kontext ihrer Zeit zu beleben, den rumänischen Hof zur Zeit des ersten Königspaares Carol 1. und Elisabeth von Rumänien im europäischen Kontext darzustellen und neue Editions- und Forschungsarbeiten in der Schriftenreihe der Forschungsstelle zu veröffentlichen. Die bereits gute Zusammenarbeit mit dem Ibidem-Verlag zum Thema Carmen Sylva bot zudem günstige Voraussetzungen auch für die Veröffentlichungen der Forschungsstelle. Eine weitere Voraussetzung im Hinblick auf Kooperationen mit anderen Archiven und Forschungseinrichtungen war die Bildung eines deutsch-rumänischen wissenschaftlichen Beirats, der die Forschungsstelle unterstützen und in allen Fragen der Organisation sowie des wissenschaftlichen Arbeitens beraten sollte. Dieses Gremium traf sich zum ersten Mal im September 2013 auf Einladung des Fürsten Carl zu Wied in Schloss Neuwied.

In den bisher erschienenen Bänden der Schriftenreihe der Forschungsstelle werden verschiedene Aspekte in Leben und Werk Carmen Sylvas dargestellt, und einige Bände der Schriftenreihe sind auch in rumänischer Übersetzung in rumänischen Verlagen erschienen:

 

Band 1 (2014), „Unterschiedliche Wege, dasselbe Ideal: Das Königsbild im Werk Carmen Sylvas und in Fotografien des Fürstlich Wiedischen Archivs“ von Silvia Irina Zimmermann, mit einem Vorwort von Hans-Jürgen Krüger enthält eine erstmalige Studie über das Königsbild im literarischen Werk Carmen Sylvas und zeigt, dass viele ihrer Werke im Dienst des Königreichs Rumänien verfasst und veröffentlicht wurden. Die Behauptung in den älteren Biografien, dass Carmen Sylva republikanisch gesinnt gewesen sei, wird hier mithilfe von Quellenvergleichen und Zitaten aus Briefen und Archivdokumenten sowie einem erstmals neu veröffentlichten Essay Carmen Sylvas über ihre Meinung zur Monarchie widerlegt. Der Band enthält zudem den vollständigen, neu edierten literarischen Reisebericht „Rheintochters Donaufahrt“ von 1905 und einen Bilderteil mit zahlreichen historischen Fotografien des Königspaares Carol I. und Elisabeth von Rumänien mit handschriftlichen Erklärungen der Königin für ihre Familie in Neuwied (rumänische Ausgabe: Editura Curtea Veche, Bucureşti, 2014).

 

Die Sammelbände 2 und 3 (2015), „Carmen Sylva: Die Schriftstellerin und erste Königin von Rumänien im Kontext ihrer Zeit“ und „Das erste Königspaar von Rumänien Carol 1. und Elisabeta: Aspekte monarchischer Legitimation im Spiegel kulturpolitischer Symbolhandlungen“, herausgegeben, eingeleitet und mit Übersetzungen aus dem Rumänischen ins Deutsche von Silvia Irina Zimmermann und Edda Binder-Iijima enthalten Beiträge aus der neuesten Forschung in Deutschland und Rumänien zur Dichterin und Königin Carmen Sylva sowie über das Königspaar Carol I. und Elisabeth im Kontext ihrer Zeit und die Legitimations- und Repräsentationsstrategien des Bukarester Hofes im europäischen Kontext. Die Bände enthalten Beiträge von Ruxanda Beldimann, Bianca Bican, Edda Binder-Iijima, Liviu Brătescu, Sorin Cristescu, Simion Dănilă,  Ştefania Dinu, Alexandru Istrate, Hans-Jürgen Krüger, Adriana Cristina Mazilu, Macrina Oproiu, Stephan Puille, Cristina Popescu, Adriana Roşca, Maria Sass, Horst Schuller, Nicolae-Serban Tanaşoca, Carmen Tănăsoiu, Bernd Willscheid und Silvia Irina Zimmermann.

 

Band 4 (2016), „Heimweh ist Jugendweh“, herausgegeben von Silvia Irina Zimmermann und Bernd Willscheid, mit einem Vorwort von Isabelle Fürstin zu Wied, stellt neuere Erkenntnisse über die Erinnerungen Elisabeths an ihre Kindheit und Jugend in Neuwied vor und zeigt auch einen Vergleich zu den Kindheitserinnerungen anderer adeliger Schriftstellerinnen ihrer Zeit wie Marie von Ebner-Eschenbach und Lily Braun. Der Hauptteil des Bandes enthält die Erinnerungen Carmen Sylvas aus dem Originalband „Mein Penatenwinkel“ von 1908 neu ediert, kommentiert und mit einem Personenverzeichnis versehen.

 

Band 5 (2017), „Monsieur Hampelmann – Domnul Pulcinel. Ein Märchen aus der Exilzeit der Königin Elisabeth von Rumänien“, herausgegeben von Silvia lrina Zimmermann, enthält das viersprachige Märchen „Monsieur Hampelmann“ und die Faksimiles der handgeschriebenen Seiten Carmen Sylvas mit den Illustrationen des Andre Lecomte du Noüy. Die Einleitung zeichnet die Entstehungsgeschichte dieses Märchen nach, wobei hier der Hofarchitekt Andre Lecomte du Noüy (und nicht sein Bruder, der Maler) anhand der Briefe Carmen Sylvas an König Carol l. als der eigentliche Illustrator des Märchens erstmals identifiziert wird (rumänische Ausgabe: herausgegeben von Silvia Irina Zimmermann, Editura Vremea, Bucureşti, 2017).

 

Die Bände 6 und 7 (2018), „’In zärtlicher Liebe Deine Elisabeth‘ – ‚Stets Dein treuer Carl‘. Der Briefwechsel Elisabeths zu Wied (Carmen Sylva) mit ihrem Gemahl Carol I. von Rumänien aus dem Rumänischen Nationalarchiv in Bukarest. 1869-1913“, sind eine historisch-kritische Ausgabe des gesamten und unzensierten Briefmaterials des Königspaares, herausgegeben, kommentiert und eingeleitet von Silvia Irina Zimmermann. Der erste Teilband enthält die Briefe aus den Jahren von 1869 bis 1890: „Anfangsjahre in Rumänien. Unabhängigkeitskrieg. Königreich Rumänien“ und der zweite Teilband die Briefe der Jahre von 1891 bis 1913: „Exil der Königin. Rückkehr auf den rumänischen Thron“. Das Editionsprojekt erfolgte in Kooperation mit dem Rumänischen Nationalarchiv in Bukarest (rumänische Auswahlausgabe: herausgegeben und ins Rumänische übersetzt von Silvia Irina Zimmermann und Romanita Constantinescu, Editura Humanitas, Bucureşti, 2020 [in Vorbereitung]).

 

Band 8 (2019), „’Die Feder in der Hand bin ich eine ganz andre Person‘. Carmen Sylva (1843-1916), Leben und Werk“ von Silvia Irina Zimmermann, mit einem Vorwort von Isabelle Fürstin zu Wied, enthält eine Bildanalyse über Carmen Sylva in der Memoirenliteratur und in den früheren Biografien, gefolgt von einer Biografie in Bildern, Zeitzeugnissen und neu erschlossenen Dokumenten aus den Archiven und der privaten Korrespondenz der Königin mit ihrem Gemahl König Carol I. von Rumänien und mit Familienmitgliedern aus Neuwied und Sigmaringen. Die zahlreichen Fotografien und Abbildungen zu Leben und literarischem Werk der Königin Elisabeth, die im Buch veröffentlicht sind, stammen aus dem Fürstlich Wiedischen Archiv (228, davon 9 farbig) und aus der Privatsammlung der Autorin (142, davon 16 farbig). Der Band enthält eine umfangreiche Bibliografie zu Carmen Sylva sowie ein Personenverzeichnis.

 

Band 9 (2020), “The Child of the Sun: Royal Fairy Tales and Essays by the Queens of Romania, Elisabeth (Carmen Sylva, 1843-1916) and Marie (1875-1938)”, herausgegeben, eingeleitet und mit einer Bibliografie von

Silvia Irina Zimmermann, enthält eine Auswahl der literarischen Texte aus den englischen Ausgaben der Märchen und autobiografischen Essays der ersten beiden Königinnen und Schriftstellerinnen Rumäniens, mit welchen beide um 1900 eine auf das Vereinigte Königreich von Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika gezielte literarische Öffentlichkeitsarbeit und Lobbytätigkeit für das Königsreich Rumänien verfolgten.

 

Die Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs wird von Dr. Silvia Irina Zimmermann und Dr. Edda Binder-Iijima herausgegeben und erscheint in loser Reihenfolge.

 

 

Dr. Silvia Irina Zimmermann studierte an den Universitäten in Hermannstadt/Sibiu und Marburg Germanistik, Anglistik, Kunstgeschichte sowie Soziologie und promovierte über das literarische Werk Carmen Sylvas an der Universität Marburg. Sie ist Initiatorin und ehrenamtliche Leiterin der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs sowie Mitherausgeberin der Schriftenreihe der Forschungsstelle (www.carmensylvafwa.de).

 

Der Beitrag erschien in den Deutsch-Rumänischen Heften (Halbjahresschrift der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft, Berlin), Jg. XXIII, Heft 1, Sommer 2020, S. 10-12.

Konstituierende Sitzung des wissenschaftlichen Beirates der Forschungsstelle Carmen Sylva im Schloss Neuwied im September 2013, (v.l.n.r.) obere Reihe: Bernd Willscheid (Direktor des Roentgen-Museums Neuwied), Dr. Ruxanda Beldiman † (Kunsthistorisches Institut Bukarest), Dr. Silvia Irina Zimmermann (Leiterin der Forschungsstelle Carmen Sylva), Prof. Dr. Ralf Georg Czapla (Universität Heidelberg, Germanistisches Seminar); mittlere Reihe: Prof. Dr. Nicolae-Serban Tanaşoca † (Direktor des Instituts für südosteuropäische Studien, Bukarest), Prof. em. Dr. Klaus Heitmann † (Universität Heidelberg, Romanisches Seminar), Dr. Edda Binder-Iijima (Universität Heidelberg, Historisches Seminar), S.D: Carl Fürst zu Wied † (Fürstenhaus Wied), und in der Mitte sitzend: Dr. Hans-Jürgen Krüger † (Leiter des Fürstlich Wiedischen Archivs).

Präsentation des 4. Bandes der Schriftenreihe „Heimweh ist Jugendweh“ anlässlich des 100. Todesjahres von Carmen Sylva im Roentgen-Museum Neuwied im Oktober 2016 (v.l.n.r.): Bernd Willscheid (Museumsdirektor), I.D. Isabelle Fürstin zu Wied, Dr. Edda Binder-Iijima, Dr. Silvia Irina Zimmermann, Prof. em. Dr. Wilhelm Solms und I.D. Sophie Charlotte Fürstin zu Wied.

Dr. Silvia Irina Zimmermann mit der neuen Biografie Carmen Sylvas (Band 8 der Schriftenreihe Carmen Sylva: „Die Feder in der Hand bin ich eine ganz andre Person“. Carmen Sylva (1843-1916), Leben und Werk, 2019).

 

 

“The Magic Doll of Romania” by Queen Marie (Royal Fairy Tales by the Queens of Romania)

»Certainly this was not Nancy’s idea of a royal palace, but it was ever so much pleasanter and more homelike – although it was entirely different from anything which she had ever seen before. She had imagined a palace full of golden chairs, gorgeous silk hangings, and portraits of ancestors in heavily carved frames – and, everywhere, tall footmen in bright liveries. But this was an enchanted little castle, guarded by an old wizard with white hair – a flowery retreat to which a queen came to rest.

“Here they are, mother!” cried the Princess. “Look at her! Isn’t she darling – and she’s called Nancy!”

And there, by a plain white hearth, stood the Queen. A bright woodfire was burning behind her, casting over her a radiant glow. Was she old or young? Plain or beautiful? These questions seemed all at once to have no importance. What Nancy saw was a smile of welcome and a pair of blue eyes, which were kind, although strangely sad. “Nancy!” It was a mother’s voice. The Queen bent down and kissed the little American stranger, and she also kissed Dobre and Florica – although Dobre was a real boy! But as Nancy looked at the Queen, it seemed quite natural that she should kiss Dobre. For was she not “their mother”, as they themselves had proclaimed? Her hands, too, were a mother’s hands. Nancy had never known her own mother, but when the Queen passed her hands over her head, gently but firmly, Nancy knew that this was done as her own mother would have done it.

“So you are called Nancy! Let me look at you! You know, I am fond of Americans, large and small. In some way, I believe that we’ve always understood each other. And these are Florica and Dobre, your companions? You have a frank, affectionate face, Nancy. And I’m pleased that you have made friends with my little Romanians. I always want all people of all countries to be friends!”

“And, mother”, exclaimed the Princess, “imagine, Florica came to America as a doll! It was Florica who managed to bring Nancy here!”

“That’s a real fairy-story,” said the Queen. “Tell me about it, Nancy.”

The Queen seated herself in a large armchair near the blazing hearth, and Nancy found herself on a low stool at her feet, with her hand in that of the Queen. For some reason she did not feel shy. The Queen’s eyes and smile made her feel quite at home. She was dressed very much as was the Princess  – whom she called Ileana – but on her head was a long white veil, as white as the walls of her room.

Here also, the ceiling was vaulted, and there were even more flowers than in the little reception hall outside – especially yellow, heliotrope and bronze-colored tulips. And there was one huge old silver jar, full of white, gray and lavender tinted irises. On the windowsill stood a peasant’s jug, full of apple-blossom branches which were of the delicate color of snow when the dawn paints it pink! There was peace in this small white room, and the song of many birds in the trees made fitting music for it – as if they were a soft accompaniment which you dreamed of, rather than heard. The floor had been stained black. Yellow rugs, blue-bordered, were spread over it. There were touches of yellow about the cushions, curtains and chairs. Over the couch, hung three old silver church-lamps filled with white flowers, which took the place of the lights. Their shadows on the white walls took queer shapes. A dream-room in a dream-castle! And there sat Nancy, the little American girl, her hand quite at home in that of the Queen, who listened to her as she told of Granny, and of old Sue, and of the Romanian doll which had come to life and conjured her across the sea…«

Fragment from: “The Magic Doll of Romania. A Wonder Story in Which East and West Do Meet” by Queen Marie of Romania (New York, 1929)

Read more in:

The Child of the Sun: Royal Fairy Tales and Essays by the Queens of Romania, Elisabeth (Carmen Sylva, 1843-1916) and Marie (1875-1938)

Selected and edited, with an introduction and bibliography by Silvia Irina Zimmermann.

[Series of the Research Center Carmen Sylva – Princely Archive of Wied, vol. 9], 315 pages, 54 illustrations (7 colored), Stuttgart: ibidem-Verlag (Ibidem Press), 2020, 315 pages, 54 illustrations (7 colored), ISBN-13: 978-3-8382-1393-4.

The book is available as paperback print and e-book worldwide and can be ordered through Ibidem-Verlag (Ibidem Press) and Columbia University Press resp. via online-vendors worldwide.

Über Vergebung – Carmen Sylva: „Seelengespräche“ (Andachten)

„Es scheint fast übermenschlich, zu verzeihen, was uns zu Bettlern gemacht, an Leib oder Seele. Unser erstes Gefühl ist Rache. Wir bedenken dann nicht, dass die Rache uns das Verlorene dennoch nicht zurückgibt und nichts in uns zurücklässt, als ein Gefühl der Reue und Zerknirschung, da wir uns den Tieren gleich gemacht.
Wie manches würde sein Gift verlieren und seinen Schmerz, wenn wir uns selbst ganz vergessen könnten und dem anderen vergeben!
Es gibt Dinge, die sich wirklich wieder ausmerzen ließen, wenn man nur ernstlich wollte, wenn man nicht Mauern zwischen sich aufrichtete und sein Herz gewaltsam verschlösse, indem die alte Liebe so gern wieder aufwachen möchte mit dem Sehnen nach Versöhnung und nach einem freundlichen Worte. Wie selten geschieht das Böse um des Bösen willen! Es geschieht aus Verblendung, aus Leidenschaft, aus Genusssucht, aus Selbstsucht, aus Schwäche. Und wenn wir uns und unser Leiden nicht beachten, so würden wir milde sein und ergründen, warum es geschehen, und Nachsicht haben für des Bruders Sünde. Wie vieles entschuldigen wir, wenn es uns nicht getroffen!
So entschuldige doch, was dich verletzt! Dann erst bist du des Christentums wert!“

Auszug aus Carmen Sylva: „Seelengespräche“, 9. Andacht: Vergebung.

***

Carmen Sylva, Seelengespräche. Andachten der Elisabeth zu Wied, Königin von Rumänien (1843-1916). Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Silvia Irina Zimmermann, Edition Noema, Stuttgart: Ibidem-Verlag, 2020, 271 Seiten, ISBN: 978-3-8382-1418-4.