Die „rumänischen Märchen“ der „deutschen Königin“ Rumäniens: Elisabeth zu Wied – Carmen Sylva (1843–1916)

»In den Märchen der ersten Königin von Rumänien, Elisabeth – die aus dem deutschen Fürstenhaus Wied stammte und ab 1880 unter dem Künstlernamen Carmen Sylva schriftstellerisch tätig war – finden sich zahlreiche Bezüge zu Rumänien. Ihr erster in  Deutschland 1883 erschienener Märchenband Aus Carmen Sylvas Königreich. Band 1: Pelesch-Märchen wurde fälschlicherweise vielfach bei der Leserschaft als Nacherzählung rumänischer Volksmärchen und Sagen verstanden. Und obwohl es sich in Wirklichkeit um eigene literarische Schöpfungen der Königin handelte, schien diese Falschinterpretation dem schriftstellerischen Anliegen der Autorin sogar entgegenzukommen. Auch in später veröffentlichten Märchenbüchern (Pelesch im Dienst, 1888 und Märchen einer Königin, 1901) ist die Absicht der Königin zu einer deutsch-rumänischen Kulturvermittlung mittels der Literatur festzustellen. Da die Königin insbesondere mit den Märchen für das 1881 neu gegründete Königreich Rumänien in Deutschland warb, sollen die rumänischen Aspekte ihrer Märchen und ihre schriftstellerische Tätigkeit im kulturpolitischen Kontext ihrer Zeit näher betrachtet werden. Ich werde mich im Folgenden insbesondere auf ihren bekanntesten Märchenband Pelesch-Märchen von 1883 beziehen.

Öffentlicher Auftritt der Königin als Schriftstellerin im Dienst der Krone

Zu Beginn sei ein kleiner Exkurs über die Werbung des Verlags zu den Pelesch-Märchen Carmen Sylvas anhand einiger Beispiele aus dem Magazin für die Literatur des Auslandes – dem Organ des Allgemeinen Deutschen Schriftstellerverbandes herausgegeben vom Literaturwissenschaftler Eduard Engel gegeben. Am Anfang des Jahres 1883 meldete der Verlag der Königlichen Hofbuchhandlung Wilhelm Friedrich in Leipzig das baldige Erscheinen des Buches Aus Carmen Sylva‘s Königreich. Pelesch-Märchen. Der Verlag warb für den Band folgendermaßen: „Dieses neueste Werk der hohen Verfasserin wird sich eines gleich grossen Beifalls des Publikums erfreuen, als das kürzlich im gleichen Verlage erschienene: Jehovah […] Demnächst erscheint Rumänische Dichtungen. Deutsch von Carmen Sylva. Zweite vermehrte Auflage […].“ (Magazin für die Literatur des Auslandes 1883: Nr. 8, 118). Weitere Anzeigen des Verlags im Magazin für die Literatur des Auslandes, finden sich in Bd. 103, Jg. 52, 1883; zur Erstauflage: in Nr. 2, 32 („in Kürze erscheint“), in Nr. 6, 1883, 89 („soeben erschien“) sowie zur zweiten Auflage: ab Nr. 15, 1883, 221.«

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Auszug aus:

Silvia Irina Zimmermann: Die „rumänischen Märchen“ der „deutschen Königin“ Rumäniens: Elisabeth zu Wied – Carmen Sylva (1843–1916). Aspekte rumänischer Volkskultur, deutsch-rumänische Kulturvermittlung und politische Symbolik in Carmen Sylvas Märchen.

PDF: forumrumaenien35-zimmermann

Beitrag veröffentlicht in:

Thede Kahl, Peter Mario Kreuter, Christina Vogel (Hg.): „Vergessen, verdrängt, verschwunden“. Aufgegebene Kulturen, Beziehungen und Orientierungen in der Balkanromania, Reihe „Forum Rumänien“, Band 35, Berlin: Frank & Timme Verlag, 2018, S. 251-275.

http://www.frank-timme.de/verlag/verlagsprogramm/buch/verlagsprogramm/bd-35-thede-kahl-peter-mario-kreuter-christina-vogel-hg-vergessen-verdraengt-verschwund/backPID/forum-rumaenien.html

Vortrag auf der Tagung des Balkanromanisten-Verbandes, 29-31- Mai 2014, in Mainz.

http://balkanromanistenverband.de/

Weitere Literatur:

Aus Carmen Sylvas Königreich. Gesammelte Märchen und Geschichten für Kinder und Jugendliche von Carmen Sylva (Königin Elisabeth von Rumänien, geborene Prinzessin zu Wied, 1843-1916). Herausgegeben und mit einem Vorwort von Silvia Irina Zimmermann, mit Abbildungen aus dem Fürstlich Wiedischen Archiv Neuwied, 2 Bände (Band 1: Rumänische Märchen und Geschichten, Band 2: Märchen einer Königin), Stuttgart: ibidem-Verlag, 2013, 798 Seiten, ISBN 978-3-8382-0495-6.

Carmen Sylva: Pelesch-Märchen. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Silvia Irina Zimmermann, mit Abbildungen aus dem Fürstlich Wiedischen Archiv Neuwied, 274 Seiten, Stuttgart, ibidem-Verlag, Edition Noëma, 2013, ISBN 978-3-8382-0465-9.